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EXKURS 4.1. Verteilung der Lebenszeit in Deutschland seit 1800


Das Diagramm DiaEx4.1.1 zeigt die ökonomische Verwendung der Lebenszeit der Bevölkerung Deutschlands, unterteilt in Jugendliche und Alte und dazwischen Erwerbspersonen - Landwirte und Mithelfende, produzierendes Gewerbe und Dienstleistungen.


Die Daten stammen aus sehr verschiedenen historischen Statistik-Quellen. Bezugsgröße ist die Summe aller Lebensstunden der Einwohner Deutschlands in den jeweiligen historischen Grenzen Deutschlands. Jugendliche unter 14 Jahren und Alte ab 65 Jahren wurden als Nicht-Erwerbstätige eingestuft. Die mithelfenden Familienangehörigen werden erst seit 1900 als Erwerbspersonen erfasst. Vor 1900 wurde ihr Anteil an der landwirtschaftlichen Erwerbstätigkeit geschätzt (MH LW).


Arbeitslose werden erst gezählt, seitdem es systematische Arbeitslosenunterstützungen gibt, anfänglich als gewerkschaftliche Leistungen. Die Zahlen der Erwerbs- bzw. Arbeitslosen lassen sich erst ab 1890 erfassen. Im 19. Jh. zählten sie unfreiwillig zu den Nicht-Erwerbstätigen.


Im Vordergrund der Veränderungen steht die Demographie (% der Bevölkerung):

                                                                                 1800                    2005

    Jugendliche unter 15 Jahre                             36%                    14%

    15 bis 64 Jahre                                                   61%                    67%

    ab 65 Jahre                                                           3%                    19%


Der Anteil der Personen im Erwerbsalter an der Bevölkerung hat leicht zugenommen. Aber die Dauer der Erwerbstätigkeit ist um zwei Drittel geschrumpft (% der Lebenszeit der Bevölkerung):

    Nicht-Erwerbstätige (15 bis 64 Jahre)            12%                    15%

    erwerbsfreie Zeit der Erwerbspersonen        25%                    43%

    Zeit der Erwerbstätigkeit                                 24%                      9%.


Um 1800 haben die Deutschen 24% ihrer Lebenszeit für Erwerbstätigkeit aufgewandt. 2005 waren es nur noch weniger als 9%. Dh. nur noch 9% unserer Lebenszeit reichen aus, um unser BIP zu erwirtschaften. Dahinter steht eine Ausdehnung der erwerbsfreien Zeit der Erwerbspersonen von 24% auf 43 % der Lebenszeit der gesamten Bevölkerung.


2005, bei einer Arbeitslosenquote von 11%, betrug die ausgefallene Arbeitszeit von Erwerbslosen, die durch Unterstützungen entgolten wurde, weniger als 1% der Lebenszeit des Volkes – und war dennoch eines unserer größten Probleme.


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